Das Ende des Vegetarismus

Noch in diesem Jahrzehnt könnten erste Produkte synthetisch hergestellten Fleisches in den Supermärkten landen. Dass es dort in zehn Jahren so viel Platz einnimmt wie heute schon diverse Fleischersatzprodukte auf Soja- oder Eiweißbasis, ist denkbar. Wenn es soweit ist, verdrängt es das (billige) Tierfleisch aus den Kühlregalen – und der Vegetarismus verliert praktisch und ideell an Bedeutung.

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Als Mark Post den ersten Burger aus Fleisch, das nie Teil eines Tieres gewesen ist, im britischen Fernsehen verkosten ließ, staunte die Öffentlichkeit nicht schlecht. Zum einen darüber, dass so etwas überhaupt existiert. Zum anderen ob dessen Preises von etwa 250 000 US-Dollar, der den Bratling auch zum teuersten der Welt machte. Die Konsistenz sei gut, aber der Geschmack ließe mangels Fett noch zu wünschen übrig, urteilten die eingeladenen Restaurantkritiker damals.

Das war im August 2013. Seitdem ist es still geworden um diese Idee, die die Welt verändern könnte. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet forschte der Niederländer Post an der Maastrichter Universität jedoch weiter an seiner Erfindung. Dass der erste Kulturfleischburger so teuer geriet, dass selbst der eigens eingeladene Fernsehkoch Angst hatte, ihn zu verbrennen, lag daran, dass die Herstellungsverfahren völlig neu erdacht worden und äußerst aufwendig waren. Vier Jahre später gibt sich Post zuversichtlich, die Technologie soweit optimiert zu haben, dass er Burger zu einem Preis von zehn bis elf Dollar produzieren könne.

Eine alte Idee

So neu die Verfahren auch seien mögen – die Idee, Fleisch ohne Tiere zu produzieren, ist fast 3000 Jahre alt. Schon 965 v. Chr. substituierte ein chinesischer Gelehrter Lammkoteletts durch Tofu. In der neueren Geschichte beförderten Kriege und Krisen, sowie die Fortschritte der modernen Chemie das Konzept synthetischen Fleisches. 1912 stellte der belgische Chemiker Jean Effront seine Erfindung „Viandine“ vor: Er hatte aus Distillerie- und Brauabfällen, Kalk und Schwefelsäure Fleischersatz für belgische Fabrikarbeiter erdacht. Dessen Nahrhaftigkeit wurde zwar sogar von Ärzten bestätig, am aber am Geschmack haperte es. 1916 erfand kein anderer als Konrad Adenauer unter den Bedingungen des Ersten Weltkriegs eine Sojawurst. Vom kaiserlichen Patentamt abgelehnt ließ er sein Rezept in England und Österreich schützen. 1931 forderte Winston Churchill: „Fifty years hence, we shall escape the absurdity of growing a whole chicken in order to eat the breast or wing by growing these parts separately under a suitable medium.“ 1948 versuchte Barnet Sure an der Universität Arkansas dieser Vision auf seine Art gerecht zu werden – in Pulverform. Er mischte Brauhefe, Soja- und Vollkornmehl sowie vor allem Magermilchpulver. Heraus kam ein meat powder, der sich mit Wasser angemischt nicht nur aufs Brot schmieren, sondern auch in der Pfanne braten ließ.

Keine dieser Erfindungen konnte sich indes durchsetzen. Das lag einerseits an deren Makeln, die Konsistenz stimmte nicht und sie schmeckten einfach nicht so gut wie das Original. Andererseits machten die Massentierhaltung sowie der wirtschaftliche Erfolg des Westens in der Nachkriegszeit echtes Fleisch so erschwinglich, dass für eine künstliche Alternative kein Bedarf bestand.

Ein neues Verfahren

Dass sich Churchill sich um fast ein halbes Jahrhundert verschätzte, lag natürlich auch daran, dass die Forschung noch nicht so weit war. Denn was der britische Staatsmann im Sinn hatte, war echtes Fleisch. Keine Mixturen aus pflanzlichen und anderen Stoffen, sondern Zellgewebe. Das ist es, was die neueste Iteration des Fleischersatzes von den historischen Versuchen unterscheidet. Grob vereinfacht gehen Mark Post und sein Maastrichter Team bei ihrem Ansatz folgendermaßen vor: Sie geben Rinderstammzellen in ein Nährmedium aus Aminosäuren, Glukose und Mineralstoffen. Sodann setzen sie die Zellen Hormonen und anderen Wachstumsfaktoren aus, damit diese schnell zu Muskelzellen reifen. Durch elektrisch induzierte Temperaturwechsel werden diese anschließend trainiert. Zehntausendfach wiederholt ergibt sich so genug Material für einen Bratling. Eine der vielen Herausforderungen dabei ist, dass Fleisch ein hochkomplexes Gewebe ist. Es besteht aus Skelettmuskel und Fett, Bindegewebe sowie Blutgefäßen und -äderchen, die die Zellen mit Sauer- und Nährstoff versorgen. Auch das ist der Grund dafür, dass die Entwicklung der nötigen Verfahren seine Zeit dauert. Die Konsistenz mag bei Hackfleisch und anderen verarbeiteten Waren wie Wurst eine untergeordnete Rolle spielen. Spätestens aber, wenn die Niederländer ein überzeugendes Steak erschaffen wollen, müssen sie die Herausforderungen der Gewebesynthese meistern.

Längst sind sie mit ihrem Vorhaben nicht mehr allein. Auch ein israelisches Start-up namens SuperMeat arbeitet an der Fleischrevolution. Genau wie Forscher in Tel-Aviv experimentiert zudem die North Carolina State University sowie die Firma Memphis Meats an der Synthetisierung von Hühnerfleisch. Modern Meadow will zunächst künstliches Leder produzieren, um sich dann dem Laborfleisch widmen. Allen Start-ups ist gemein, dass sie einige Aufmerksamkeit erhalten. Sei es wie im Fall von SuperMeat die tausender Kleinstinvestoren auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo, sei es die Aufmerksamkeit großer Geldgeber. Unter denen, die ihr Vertrauen und Kapital in Kulturfleisch setzen, finden sich beispielsweise Sergey Brin, einer der Google-Gründer, und der deutsch-amerikanische Unternehmer Peter Thiel. Thiel hatte einst, zusammen mit dem neuen Heilsbringer der Tech-Industrie Elon Musk, den Zahlungsdienstleister Paypal gegründet.

Gute Gründe für neues Fleisch

Woher rührt jetzt das große Interesse am Laborfleisch, nachdem jahrzehntelang alle mit Rinderlende und Hühnchenbrust zufrieden waren? Die Kombination vor allem zweier Faktoren sind dafür verantwortlich: Erstens bringt die Massentierhaltung schon jetzt viele Probleme mit sich. Zweitens werden diese Probleme in den kommenden Jahrzehnten durch das Wachstum der Weltbevölkerung und deren überproportional steigenden Fleischkonsum potenziert. 2050 soll Prognosen zufolge global doppelt so viel Fleisch vertilgt werden wie im Jahr 2000. Steuert die Weltgemeinschaft nicht gegen, könnte das schwerwiegende Folgen für Klima und Umwelt haben.

Eine 2013 durchgeführte Studie der FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) beziffert den Anteil der Tierhaltung am weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen auf 14,5%. Darin enthalten sind unter anderem Posten für Atmung und Ausscheidungen der Tiere, deren Transport und die Energie, die die Betriebe verbrauchen. Aber der Beitrag zur Erderwärmung ist bei weitem nicht das einzige Umweltproblem der Intensivtierhaltung. Gerade erst sind auch in Deutschland erneut alarmierende Nitrakonzentrationen im Grundwasser festgestellt worden. Zu groß ist die Menge der Tierausscheidungen, die in den Boden und damit ins Grundwasser dringen. Überdies verbraucht die Fleischproduktion selbst unheimliche Mengen an Frischwasser – für ein Kilo Rindfleisch werden 15000 Liter Wasser benötigt. Auch die Biodiversität gerät global unter Druck: Regenwälder werden zur Nutzung als Weide- und Anbaufläche abgeholzt, Futtermittel kommen aus gigantischen Monokulturen. Mittelbar bedroht der durch die Treibhausgase beförderte Klimawandel ebenfalls die biologische Vielfalt. Das milliardenfache Leid der Tiere, die unter grausamen Bedingungen schnellst möglich Fleisch ansetzen, Milch geben oder Eier legen, darf bei alldem nicht vergessen werden.

Und diese Probleme sollen nun Zellhaufen aus der Petrischale lösen? Potenziell ist synthetisches Fleisch jedenfalls bedeutend umweltfreundlicher als dessen tierisches Pendant. Das bestätigt eine Studie aus dem Jahr 2012, die untersucht, inwiefern sich die Umweltbelastung der Fleischproduktion Europas durch eine komplette Umstellung auf Kulturfleisch ändern würde. Demnach stößt die Produktion von Kulturfleisch nicht nur 99% weniger Emissionen aus. Sie benötigt zudem 99,7% weniger Landfläche und spart 94% Wasser ein. Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein – und tatsächlich dämpft eine ähnliche Studie von 2014 mit dem Fokus auf den USA die Euphorie. Die jüngere Untersuchung argumentiert, dass alle Prozesse, die konventionell im Tierorganismus zum Wachsen des Fleischs führen, im Labor durch Energiezuführung zu ersetzen seien. Folglich verbrauche die neue Methode wesentlich mehr Strom. Nichtsdestotrotz sind sich die Autoren beider Studien einig, dass die Kulturfleischproduktion nicht nur weniger Land benötigt und die Gewässer weniger belastet, sondern auch Futtermittel effizienter umwandelt. Mittelbar ergeben sich so auch Vorteile hinsichtlich der Erderwärmung und der biologischen Vielfalt, von den ethischen Vorteilen im Sinne des Tierwohls ganz zu schweigen.

Dieses Tierwohl liegt in den westlichen Industriestaaten immer mehr Menschen am Herzen, Vegetarismus und Veganismus sind im Trend. In Deutschland verzichten etwa 10% der Menschen auf den Verzehr von Fleisch und 1,6% der Bevölkerung auch auf alle anderen tierischen Nahrungsmittel. Dies entspricht etwa 1,3 Millionen Menschen und bedeutet einen enormen Anstieg innerhalb der vergangenen Dekade. Noch im Jahr 2008 stellte die „Nationale Verzehrstudie II“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft nur rund 80 000 Veganerinnen und Veganer in Deutschland fest. Diese Entwicklung tut ihr Übriges für das Investoreninteresse an der fast buchstäblichen eierlegende-Wollmilchsau-Technologie.

Eine Tradition ohne Zukunft

In Zukunft könnte der Veganismus die einzige relevante Ernährungsweise neben dem Allesessertum werden, denn mit der Verbreitung des Kulturfleisches verliert der klassische Vegetarismus seinen Wesenskern. Zwar wird es weiterhin Menschen geben, denen Fleisch einfach nicht schmeckt, egal ob es vom Schenkel oder aus der Petrischale kommt. Aber historisch stehen beim Vegetarismus zwei andere Motive im Vordergrund: Ethik bzw. Religion und Ökologie. Schon in der Antike galt Homer die vegetarische Ernährung als zivilisiert. Die sich vor allem von Fleisch ernährenden Skythen betrachtete er dagegen als roh, ja dem Kannibalismus gefährlich nahe. Später machten etwa René Descartes und Benjamin Franklin gewisse humanitäre Verpflichtungen des Menschen gegenüber den Tieren geltend. Der britische Autor Thomas Tyron brachte als erster die hinduistische Philosophie des Fleischverzichts nach Europa und von Großbritannien aus verbreitete sich im 19. Jahrhundert der moderne Vegetarismus in Clubs und Vereinigungen im gesamten Westen. Leo Tolstoi verband den moralischen Impetus zum Fleischverzicht – das Töten eines Tieres verstand er als Mord – mit einem sozialkritischen. In sein Tagebuch schrieb er 1857: „Die Armut der Leute und die Leiden der Tiere sind furchtbar.“ Während die Reichen feinste (Fleisch-) Speisen genössen, herrsche ringsum Hunger. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich der Vegetarismus in Deutschland nur langsam. In der Zeit des Nationalsozialismus war er zu einer Modeerscheinung geworden. Selbst Adolf Hitler ernährte sich vegetarisch, wie der Biograf Ian Kershaw zeigte. Zu den aktuellen Strömungen gehört neben dem Veganismus die in Deutschland seit etwa drei Jahrzehnten aktive Tierrechtsbewegung.

Ethisch wird dem Vegetarismus durch das Fleisch ohne Tier der ideelle Kern entzogen und mit Einschränkungen ebenso ökologisch. Menschen die bisher beim Fleischverzehr ein schlechtes Gewissen plagt, können ihren Gelüsten bei Laborfleisch freien Lauf lassen. Erschwinglich dürfte die Innovation mittelfristig auch werden, wenn immer mehr Firmen in den Markt einsteigen und die Produktionsverfahren optimieren. Sobald das Kulturfleisch qualitativ gleichzieht und weniger kostet, könnte es das Fleisch der Intensivtierhaltung aus den Kühlregalen verdrängen. Sicherlich ist an dieser Stelle einzuwenden, dass eine solche Entwicklung vor allem davon abhinge, dass die Leute das synthetische Fleisch annehmen. Dass den Konsumenten im Niedrigpreissektor im Zweifel egal ist, was genau in ihrem Essen steckt, lässt sich allerdings heute schon bestens an Hühnchennuggets, Fischstäbchen und Pressgarnelen (Surimi) beobachten. Tatsächlich ist der gesamte Fleischkonsum im Billigbereich ein gutes Beispiel dafür.

Was dagegen auch langfristig bleiben dürfte, ist der Bio- bzw. Premiumbereich echten Fleisches. Bis in die kulinarische Spitze lässt sich Kulturfleisch womöglich doch nicht tunen. Und selbst wenn – nur Fleisch von einst lebendigen Tieren kann das Authentizitätsversprechen einlösen, dass viele Premiumprodukte erst zu solchen macht. Passionierte „Beef!“-Abonnenten lassen sich nicht das T-Bone-Steak vom Teller nehmen. Sie profilieren sich schon jetzt durch ihre Bevorzugung besonders guten Fleisches. Dieses Motiv würde durch die Verbreitung von Laborfleisch eher gestärkt als abgeschwächt.

Fazit

Noch säumen viele „Wenns“ und „Abers“ den Weg des Kulturfleisches zum Massenprodukt. Sollte es aber die wichtigsten Hürden – Qualität und Preis – nehmen, dann wird die Akzeptanz der Verbraucher folgen. Da die wichtigsten Motivationen für die vegetarische Ernährungsweise entfielen, würde diese an Relevanz verlieren.

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3 Kommentare

  1. Vor einiger Zeit habe ich auch mal einen Beitrag zu diesem Thema geschrieben:
    https://wiressenpflanzen.wordpress.com/2016/07/20/ist-supermeat-vielleicht-die-zukunft-oder-wie-waere-es-wenn-man-fleisch-essen-koennte-ohne-dass-dafuer-ein-tier-sterben-muesste/

    Momentan ist dieses Verfahren ja noch sozusagen in den Kinderschuhen und bedarf entsprechender Sponsoren bzw. Fördergelder um die Forschung an der Herstellung syntherischen Fleisches voranzutreiben.
    Allgemein denke ich, dass es hierbei auch unter Fleischessenden eine gewisse Skepsis geben wird. Ähnlich wie bei veganen Fleischersatzprodukten. Dass dies ja nicht gleich dem echten Fleisch entspreche, dass man evtl Bedenken der eigenen Gesundheit wegen habe usw.

    Ich denke ob das überhaupt Realität wird, wird sich noch zeigen. Etwas Bestimmtes lässt sich dazu noch nicht wirklich sagen.
    Davon abgesehen ist ja der springende Punkt, warum man auf solche Formen der Fleischproduktion zurückgreift der, dass wir in den westlichen Zivilisationen sozusagen das Maß verloren haben und im Übermaß konsumieren.
    Die DGE empfielt eine Menge von 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche. Im Durchschnitt isst ein Mann beispielsweise gut bis zu 1,5 Kilo Fleisch die Woche. So kommt er Durchschnittsdeutsche auf einen Verbrauch von 60 kg Fleisch und 80 kg Milchprodukten pro Jahr. Nach Empfehlungen der DGE mit 600g Fleisch maximal wären das gerade mal 30 kg Fleisch pro Jahr.
    Das sind alles nur Zahlen, statistische Aufstellungen, die den heutigen Ist-Zustand wiederspiegeln, doch scheinbar oft nicht wirklich ausreichen das Gesamtbild plausibel zu machen.

    Zudem, Fleisch ist ja nicht das einzige Tierprodukt. Selbst wenn Fleisch synthetisch hergestellt würde, wäre dies bei Milchprodukten und Eiern noch kein vollständiger Lösungsansatz. Insofern wäre dann die Haltung von Tieren wie sie heute der Fall ist nicht vollständig abgeschafft.
    In Bezug auf Milch gibt es noch keine mir bekannte synthetische Gewinnungsform aus dem Labor. Und was Eier angeht, so soll da wohl die Lösung sein männliche Küken schon im Ei zu erkennen und diese dann nicht auszubrüten, sodass sie nicht getötet werden müssen.
    Von daher wäre dann aus meiner Sicht selbst bei einer synthetischen Herstellung von FLeisch noch nicht das Gesamtproblem gelöst. Ein weiterer tierethischer Aspekt ist ja nicht nur Fleisch, Milch oder EIer, sondern auch Fisch. Unsere Weltmeere sind zu gut 70 Prozent heute schon überfischt.
    Insofern hätte der Vegetarismus sowie der Veganismus hierbei nicht an moralischen Bedenken ausgedient, sondern nach wie vor Bestand.

    Was ich mich bei alledem moralisch betrachtet frage ist: Möchte man sowas wirklich? Synthetisch hergestellte Tierprodukte? Ist das in Zukunft wirklich besser als etwas mehr um seinen heutigen Konsum bedacht zu sein?

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  2. Ich gebe dir recht, der Artikel ist von seiner Anlage her natürlich etwas spekulativ. Bevor die Leute das Kunstfleisch annehmen oder ablehnen können, muss es erstmal erhältlich sein. Dass die Leute es allerdings akzeptieren werden, daran habe ich allerdings keine großen Zweifel. Es wird natürlich nicht von heute auf morgen geschehen, sondern ein schleichender Prozess.

    Wen die Vorstellung abschreckt, dass Fleisch komme aus dem Labor, der sollte sich lieber mal informieren, woher sein oder ihr Fleisch heute herkommt. Da benötigt die Abschreckung erst gar keine Vorstellungskraft. Da das jedoch sehr viele Menschen nicht machen, würde ich davon ausgehen, dass auch das synthetische Fleisch ohne viel Murren – zunächst in verarbeiteter Form, später vielleicht auch pur – den Weg in die Mägen der Konsumenten findet. Klar, das wird nicht für alle gelten, aber für viele.

    Fisch würde ich übrigens mal zum Fleisch dazu zählen. Wer Hühnchenbrust in der Petrischale sprießen lassen kann, der schafft perspektivisch bestimmt auch Forellenfilet. Daher würde ich meine These bezüglich des Vegetarismus aufrechterhalten. Der Veganismus dagegen behält seine Daseinsberechtigung, nur die ein oder andere von mir angeführte Statistik trennt die beiden Ernährungsformen nicht ganz strikt, das mag sein.

    Die Lösung aller Probleme ist Kulturfleisch daher nicht. So oder so wäre es ökologisch und wohl auch gesundheitlich besser, wenn der Konsum von Fleisch und anderen tierischen Produkten verringert würde. Aber mit einem solchen weltweiten Verhaltenswandel rechne ich jedenfalls nicht.

    Deshalb halte ich einen hypothetischen Erfolg von Kulturfleisch moralisch für nicht für problematisch, im Gegenteil. Auch ohne den – ohnehin unrealistischen – Gesinnungswandel der Weltbevölkerung führte die Verbreitung von In-Vitro-Fleisch zu geringerer Umweltbelastung und weniger Tierleid.

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    1. Da stimme ich dir zu. Nur die wenigsten hinterfragen was es mit der heutigen Produktion von Fleisch in Bezug auf den gesundheitlichen Aspekt auf sich hat. Von daher wäre es wohl gar nicht so abwägig, dass dies auch bei In-Vitro-Fleisch nicht sonderlich hinterfragt wird.

      Ein gesellschaftsübergreifender Sinneswandel ist, Prognosen zu Folge, wohl nicht zu erwarten. Da Länder wie China, Indien usw. sich unserem westlichen Ernährungsverhalten in Sachen Tierproduktekonsum angleichen, wird vielmehr erwartet, dass sich der weltweite Fleischkonsum bis 2050 verdoppeln soll.
      In-Vitro-Fleisch könnte da eine Alternative sein. Nichts desto trotz halte ich eher in Anbetracht solcher Prognosen einen reduzierteren Konsum von Tierprodukten für die bessere Alternative, statt der übermäßigen Nachfrage Folge zu leisten.
      Gerade hierbei bleibt der gesundheitliche Aspekt auch weiter bestehen. Da ein erhöhter Konsum von Tierprodukten aufgrund von Cholesterin, Harnsäure, gesättigten Fettsäuren (verarbeitetes Fleisch als Karzinogen laut WHO) mit gängigen Zivilisationskrankheiten in Verbindung steht. Und auch hierbei ist, auch durch In-Vitro-Fleisch nicht zu erwarten, dass die Menschen ihren Konsum runter schrauben. Von daher würde ich sagen, dass der Vegetarismus hierbei zumindest gesundheitlich nicht ganz entkräftet sein wird.
      Aus ökologischer sowie tierethischer Sicht wäre es wohl eine Alternative, ja.

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